Smart Grid – EnergieVerteilung und NetzSteuerung

Der Strommarktplatz der Zukunft

Feldtest des E-Energy-ProjektEs E-DeMa
Die Energiewende ist das Jahrhundertprojekt der Deutschen: Bis 2022 sollen alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden. Gleichzeitig soll ein wachsender Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen – 80 % bis 2050. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, ist eine ganze Reihe von Maßnahmen nötig, die wie ein Puzzle perfekt ineinandergreifen müssen. Ein Teil davon sind „Smart Grids“. Diese intelligenten Stromnetze sorgen für Stabilität im Netz und balancieren Erzeugung und Verbrauch aus. Siemens beteiligt sich am derzeit größten deutschen Feldtest zur intelligenten Stromanwendung in privaten Haushalten, dem E-DeMa-Projekt.

Im Rahmen des E-DeMa-Projektes werden Haushalte über ausgeklügelte Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) an einen elektronischen Marktplatz im Internet angeschlossen. Dort können die Teilnehmer unter anderem ihren Stromverbrauch überprüfen und sich über aktuelle Strompreise informieren

Morgens, halb 10 Uhr in Krefeld: Während die Waschmaschine rumpelnd mit der Schmutzwäsche kämpft, jagt die Hausfrau den Staubsauger durch die Etagen, vorbei an der laufenden Spülmaschine und dem surrenden Drucker. Während DVD-Player, Spielkonsole und Radio im Stand-by-Modus vor sich hindämmern, steigt der Strompreis immer weiter. Im Vergleich zu den günstigen Preisen in der Nacht ist der Strom schon um mehr als 300 % teurer geworden.

Um die intelligente Stromversorgung, die flexiblere Stromtarife ermöglicht, voranzutreiben, haben sich im Jahr 2009, unter Federführung des Energieversorgers RWE, verschiedene Partner aus Wirtschaft und Forschung zusammengeschlossen. Sie haben das E-DeMa-Projekt gemeinsam auf den Weg gebracht. „E-DeMa steht für Entwicklung und Demonstration dezentral vernetzter Energiesysteme hin zu einem E- Energy-Marktplatz der Zukunft“, erklärt Michael Hufnagel, Projektleiter in der Siemens- Division Smart Grid, und erläutert, was dahintersteckt: „Wir schließen alle Haushalte über ausgeklügelte Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) an unseren elektronischen Marktplatz im Internet an. Hier können die Teilnehmer beispielsweise ihren Stromverbrauch und die Strompreise einsehen.“

Das Ziel des Projektes ist eine verbesserte Einbindung und die aktive Teilnahme der Verbraucher am Strommarkt. Im E-DeMa- Projekt lässt dieser seine passive Rolle hinter sich und wird zum „Prosumer“, denn er kann sowohl Energie erzeugen und selbst in das Netz einspeisen (Producer) als auch Energie beziehen (Consumer).

700 Haushalte in Krefeld und Mülheim an der Ruhr wurden ausgewählt und haben im März 2012 kleine intelligente Helfer bei sich einziehen lassen: In allen Haushalten wurden die üblichen Stromzähler gegen intelligente Zähler, Smart Meter, ausgetauscht. „In Krefeld sind die AMIS-Zähler von Siemens im Einsatz“, sagt Hufnagel. Sie verfügen über ein Kommunikationsmodul, ein „Gateway“, um Zählerdaten auszulesen und Tarifinformationen vom E-DeMa-Marktplatz zu empfangen. Dieser ist quasi das Herzstück des ganzen Projektes. „Hier können die Teilnehmer zum einen ihren individuellen Verbrauch abrufen. Zum anderen werden für jeden Tag von den Energieversorgern bis zu fünf unterschiedliche Preise für acht Tageszeiten festgesetzt. Auf dem E-DeMa-Marktplatz können die Teilnehmer diese Preise für den Folgetag von 6 Uhr morgens an einsehen und die Haushaltsgeräte entsprechend steuern“, sagt Hufnagel.

Die angeschlossenen Geräte setzen sich also nur dann in Gang, wenn der Strom gerade günstig ist. Das Sparpotenzial ist enorm: Am günstigsten ist der Strom zwischen 0 und 6 Uhr am Morgen, wenn die meisten Menschen und ihre Stromfresser ruhen. Mehr als viermal so teuer ist dieselbe Menge Strom zwischen 17 und 21 Uhr, wenn die meisten Deutschen von der Arbeit kommen und den Haushalt erledigen oder vor dem Fernseher entspannen.

Leider haben die Einsparungen im E-DeMa-Projekt noch keine Auswirkungen auf die monatliche Stromrechnung. Denn E-DeMa ist ein Planspiel im virtuellen Strommarkt mit fiktiven Strompreisen und einer monatlichen „Schattenrechnung“, die ausweist, wie viel die Teilnehmer mit ihrem energieeffizienten Verhalten im Vergleich zur regulären Stromrechnung eingespart hätten. Doch einen realen Vorteil haben die Teilnehmer in jedem Fall: Sie sehen, wann sie den meisten Strom verbrauchen, und können ihre Gewohnheiten entsprechend ändern. Im Vergleich zur Vorjahresrechnung spart ein Haushalt rund 10 %. Wer dann noch ab und an zum Schwamm greift, statt die Spülmaschine zu benutzen, spart weiter bare Münze, denn der günstigste Strom ist immer noch der, der nicht verbraucht wird.

Kontaktdaten/Unternehmen:
Siemens AG
Division Smart Grid
Gugelstraße 65
90459 Nürnberg
www.siemens.com/smartgrid


Ansprechpartner:
Michael Hufnagel
hufnagel.michael@siemens.com


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