Modellregionen und regionale Pilotprojekte

Carbon Capture and Conversion mittels Algen – ein Beitrag zum Klimaschutz

Pilotprojekt mit Unterstützung der Universität Gießen
Der Frankfurter Energiedienstleister Mainova AG hat ein Pilotprojekt gestartet, bei dem CO2-haltige Rauchgase aus einem Steinkohle-Kraftwerk von Algen aufgenommen und zu Biomasse umgewandelt werden. Wissenschaftliche Unterstützung erfährt die Mainova dabei durch die Universität Gießen. Die Kooperationspartner wollen herausfinden, inwieweit Algenzuchten zur Reduktion des CO2-Ausstoßes konventioneller Kraftwerke beitragen können.

Chlorella sorokiniana hat einen Riesenappetit auf Kohlendioxid: Die Mikroalge vertilgt und bindet doppelt so viel Klimagas, wie sie selbst wiegt. Um Erfahrungen mit dieser Form der CO2-Umwandlung („Carbon Capture and Conversion“) zu sammeln, hat die Mainova AG gemeinsam mit der Justus-Liebig-Universität Gießen auf dem Dach eines Frankfurter Steinkohle-Kraftwerks eine Versuchsanlage installiert. Die Apparatur besteht aus zwei Wasserbecken von 2 mal 8 Metern. Die beim Verbrennungsprozess im Kraftwerk entstehenden CO2-haltigen Rauchgase werden entschwefelt und in das mit Algen angereicherte Wasser geleitet. Die Algenkulturen reinigen dann die Rauchgase des Kraftwerks. Dabei wird der Prozess der Photosynthese genutzt, bei dem Kohlendioxid mit Hilfe von Sonnenlicht in Biomasse umgewandelt wird.

Das halboffene System funktioniert ähnlich wie ein Gewächshaus. Die Algen schwimmen in einer stickstoff- und phosphorhal-igen Nährlösung. Der Dünger, das eingeleitete Rauchgas aus dem Kraftwerk und das Sonnenlicht, regt die Wasserpflanzen zu rasantem Wachstum an. Dabei binden die mit bloßem Auge kaum sichtbaren Gewächse bis zu 95 % des im Rauchgas enthaltenen Kohlendioxids.

Die wissenschaftliche Unterstützung für die Mainova kommt durch die Gießener Universität. Beispielsweise halfen die Forscher um Professor Stefan Gäth bei der Auswahl der richtigen Algenart. Chlorella sorokiniana nutzte das Gas aus dem Frankfurter Kraftwerkskessel am besten aus und machte das Rennen.

Geerntet wird die Biomasse durch ein innovatives Flotationsprinzip. Hierbei wird die Algenmasse durch Luftblasen an die Wasseroberfläche getragen und kann abgeschöpft werden. Das Material ist vielseitig verwendbar: Biogas ließe sich daraus ebenso herstellen wie Biokohle zur Mitverfeuerung. Zudem können hochwertige Fette für die Futtermittel- und Kosmetikindustrie gewonnen werden.

Das Pilotprojekt soll als Unterstützung der Forschung dienen und langfristig untersuchen, inwieweit Algenzuchten zur Reduktion des CO2-Ausstoßes konventioneller Kraftwerke beitragen können. Ein Manko heutiger Verfahren ist allerdings noch der verhältnismäßig hohe Flächenbedarf.

Kontaktdaten/Unternehmen:
Mainova AG
Solmsstraße 38
60623 Frankfurt am Main
www.mainova.de


Ansprechpartner:
Ingo Jeromin
069 21302
i.jeromin@mainova.de


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