Intelligentes Energiemanagement dank EEBus

Über die Vernetzungstechnologie EEBus kommunizieren Energieversorger und elektronische Geräte miteinander und steuern den Verbrauch auf diese Weise optimal. Das ermöglicht eine deutliche Lastverschiebung im Strom- netz. Für die notwendige Nachhaltigkeit dieser Entwicklung sorgen eine Initiative führender Unternehmen, ganzheitliche Lösungsansätze und auch bilaterale Unternehmenskooperationen.

SMART ENERGY-KONZEPTE ERSTRECKEN SICH NICHT NUR AUF PRIVATE HAUSHALTE,LASTMANAGEMENT DURCH EEBUS MUSS AUCH IN DER INDUSTRIE SOWIE IN BÜRO- UND VERWALTUNGSBAUTEN ANWENDUNG FINDEN

DANK DER EEBUS-TECHNOLOGIE KÖNNEN ENERGIEVERSORGER UND VERBRAUCHSSTELLEN MITEINANDER KOMMUNIZIEREN UND DEN ENERGIEVERBRAUCH OPTIMAL STEUERN

PETER KELLENDONK, 1. VORSITZENDER DER INITIATIVE EEBUS E.V., GESCHÄFTSFÜHRER KELLENDONK ELEKTRONIK GMBH

BREITE BASIS UND HOCHKARÄTIGE UNTERSTÜTZER – DIE INITIATIVE VERANSTALTET AUCH REGELMÄSSIG EINEN INFORMATIONSAUSTAUSCH ZWISCHEN POLITIK (BMWI) UND WIRTSCHAFT (MITGLIEDER); HIER IM RAHMEN DES SPITZENTREFFENS IN BERLIN (DEZ. 2012)

Es ist wirklich ein Wendemanöver um 180 Grad. In kaum einem anderen Bereich der Energiewende ändern sich Denk- und Arbeitsweisen derzeit so extrem wie beim Energiemanagement. Bisher wurde bei allen Überlegungen davon ausgegangen, dass Strom stets im benötigten Umfang fließt. Beim Energiemanagement privater und industrieller Verbraucher ging es also nur dar- um, unter dieser Voraussetzung den Einsatz der Geräte zu planen.
Dieses Vorgehen passt jedoch nicht mehr in eine Zeit, in der unregelmäßig erzeugter Wind- und Solarstrom einen immer größeren Platz einnimmt. Seit 2003 hat sich der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung von 7,5 %  (2003)  auf  über 23 % mehr als verdreifacht. Und die Bun- desregierung hat einen weiteren  Anstieg auf 35 % bis 2020 und sogar auf 80 % bis 2050 als Ziel ausgegeben.

Verbrauchs- und Produktionsspitzen klaffen auseinander
Die Wahrscheinlichkeit, dass Verbrauchs- und Produktionsspitzen zeitlich auseinander- klaffen, wird also immer größer. Wenn weder der Wind weht noch die Sonne scheint, drohen Versorgungsengpässe. Zu anderen Zeiten wiederum ist das Netz oft gar nicht in der Lage, den gesamten Ökostrom – beispielsweise  aus  1,3  Millionen  Photovoltaikanlagen – aufzunehmen. Es drohen großflächige Stromausfälle, sogenannte Blackouts.

Ein zentraler Faktor für das Gelingen der Energiewende ist deshalb eine deutliche Lastverschiebung. Deren Potenzial zeigt eine Studie des Verbandes der Elektrotechnik (VDE). Danach kann mit Hilfe einer intelligenten Energiesteuerung die maximale Energienachfrage um 8,5 Gigawatt pro Tag reduziert  werden.  Das  entspricht  dem  Verbrauch von rund 4 Millionen Haushalten. Damit wäre das schrittweise Abschalten der Atommeiler leichter zu kompensieren, zusätzliche Großkraftwerke müssten gar nicht erst gebaut werden.

Abstimmung des Verhaltens aller Akteure
Doch diese Lastverschiebung umzusetzen, ist eine riesige Herausforderung. Das Verhalten aller Akteure bei Energieerzeugung und -verbrauch muss aufeinander abgestimmt werden. Notwendig ist im Smart Grid eine Verbindung der IP-Welt (Energiewirtschaft) mit der Nicht-IP-Welt (Hausvernetzung). Dafür müssen Geräte unterschiedlicher Art und verschiedener Marken zum einen untereinander kommunizieren (vertikales Vernetzungskonzept für unterschiedliche Feldbussysteme) und zum anderen auch mit Energieversorgern (horizontales Vernetzungskonzept).

Genau dies ermöglicht die Vernetzungstechnologie EEBus. Das Middlewarekonzept wurde konzipiert von der Kölner Firma Kellendonk Elektronik im Rahmen des E-Energy-Programms der Bundesregierung. Getestet werden die Vorteile der EEBus-Konnektivität aktuell im Rahmen des Smart Watts-Feldversuchs in Aachen, an dem 250 Haushalte teilnehmen. Ziel ist die Entwicklung neuer Ansätze zur Optimierung der Energieversorgung durch den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Abhängig vom jeweils verfügbaren Energieangebot erhalten die Verbraucher – etwa über Preissignale – Anreize, ihr Verhalten zu ändern. Das ermöglicht eine optimale und effiziente Steuerung. Auch die Eigenstromnutzung kann optimiert werden. Verschiedene Geräte steuern ihren Einsatz genau so, dass der Verbraucher möglichst lange auf die günstige eigene Energie zurückgreifen kann, die er etwa mit der Solaranlage auf dem Dach produziert hat.

Doch eine technologische Verbindung zu entwickeln, reicht allein nicht. Diese muss von den wichtigsten Unternehmen der Branche unterstützt werden. So galt von Beginn an ein breiter Konsens der maßgebenden Akteure in diesem Bereich als zwingend. Heute haben sich über 30, überwiegend weltweit agierende Unternehmen und der VDE offiziell zum neuen Technologiestandard EEBus bekannt – und sind Mitglied der im Frühjahr 2013 gegründeten „Initiative EEBus e.V.“ Die Liste namhafter Unternehmen reicht von ABB über Bosch-Siemens Hausgeräte, EnBW, E.ON, Miele, Solarworld bis hin zu T-Systgems und Vaillant (siehe Kasten 1). Diese wollen als Sprachrohr der Wirtschaft das Schnittstellenkonzept durchsetzen, und zwar weltweit. Deshalb arbeitet die Initiative international bei allen relevanten Normungsverfahren mit (siehe Ziele und Anspruch der Initiative EEBus e.V.). Als Vorsitzende der Initiative fungieren Peter Kellendonk, Geschäftsführer von Kellendonk Elektronik und Entwickler der EEBus-Technologie, sowie Dr. Bernhard Thies, Geschäftsführer DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE.

Konkrete Projekte und Nutzungspotenziale
Um eine nachhaltige Wirkung der neuen Technologie zu erzielen, müssen zusätzlich technische Projekte umgesetzt und unmittelbare Nutzungspotenziale aufgezeigt wer- den. Nur durch solche ganzheitlichen Ansätze entstehen praktikable und zukunftsfähige Anwendungen. Das ist in diesem Segment besonders wichtig. Denn die durch das Zusammenschmelzen von Smart Home und Smart Grid entstehende leistungsfähige Infrastruktur kann für unzählige weitere An-wendungen genutzt werden. Vor allem im Bereich Service, Sicherheit und Komfort machen dank der Konnektivität viele Lösungen das Leben und Arbeiten einfacher. Auch das wirtschaftliche Potenzial der zukunftsfähigen Lösungen ist groß. Das US-Beratungsunternehmen Pike Research prognostiziert für 2019 bei smarter, energieeffizienter Technik 26,1 Milliarden Dollar weltweiten Jahresumsatz.

Ein weiterer Baustein für konkrete Anwendungen sind bilaterale Kooperationen zwischen den am EEBus-Projekt beteiligten Unternehmen – Technik-Experten sowie Hersteller oder Zulieferer elektronischer Geräte überlegen deshalb gemeinsam, wie sie Ideen schnell in konkrete Produkte verwandeln können.

Aktuelle Mitgliederliste der Initiative unter: www.eebus.org/eebus-initiative-ev/mitglieder/
Weitere Informationen zu Ziele, Anspruch, Arbeitsweise auf www.eebus.org

EEBus Initiative e.V.
Von Hünefeld-Straße 3
50829 Köln
Telefon: 0221 474412-28
Telefax: 0221 474412 -182
info@eebus.org
www.eebus.org
Ansprechpartner:
Til Landwehrmann (Geschäftsführer)

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